Michico Friedrich
 

Die Rebirthing-Sitzung: Typischer Ablauf

Die Atemsitzung selbst wird meistens im Liegen durchgeführt: Der Patient liegt ca. 60 bis 100 Minuten auf einer angenehmen Unterlage. Dann beginnt er, bei geschlossenen Augen bewusst ein- und auszuatmen und dabei Brust- Bauch- und Kopf zu spüren und zu dehnen. Der begleitende Rebirther leitet den Patienten an, etwas intensiver als im Alltag zu atmen und genau wahrzunehmen, wo der Atem hin strömt. Einige werden zunächst lernen, mehr einzuatmen, das heißt, den Körper zu öffnen und zu weiten. Andere werden erfahren, dass es darum geht, mehr auszuatmen, und dass das Zurückhalten des Ausatmens oder das Dosieren der Luft die Lebendigkeit vermindert. Vielleicht wird dem Patienten am Anfang der Sitzung oder in den ersten Sitzungen überhaupt erst einmal bewusst werden, wie wenig er sich traut, richtig ein- oder auszuatmen – und was das damit zu tun hat, dass er sich im Leben eher zurücknimmt. Das Kennenlernen des "Bremsens" wird ihm zeigen, weshalb ihm das "Gasgeben" nicht so recht gelingt.

Beim Rebirthing-Atmen kommt nach den ersten Minuten der Konzentration und Wahrnehmung des Atems ein entscheidendes Merkmal hinzu. Der Rebirther wird den Patienten anleiten, die Pause zwischen Ein- und Ausatmen wegzulassen und in einen kontinuierlichen Kreisatem überzugehen.

Bei allen Sitzungen gilt: Eine transformierende Erfahrung geschieht INNEN, auch wenn der Begleiter dabei wichtigen Beistand leistet.

Der Rebirther wird den Patienten so begleiten, dass er sich sicher fühlt: durch Anweisungen zur Tiefe und zur Art des Atems, durch Fragen und durch Berührungen bei Verspannungen. Oft ist es nützlich, im Verlauf der Sitzung (in wenigen Sätzen) mitzuteilen, was geschieht. Sehr oft wird jedoch in Rebirthing-Sitzungen fast gar nicht gesprochen. Die Sitzung endet mit einem kurzen Nachgespräch: Hier werden Erfahrungen, Bilder, symbolische Bedeutung oder Farben mitgeteilt; eine kurze Analyse oder Interpretation wirkt oft unterstützend.

Manchmal bleibt die Erfahrung einer Sitzung einfach so stehen – weil sie nicht in Worte zu fassen ist, weil sie zu subtil oder zu überwältigend (mystisch/transpersonal) ist. Hier würden Worte nur schaden.

Wenn der Rebirthing-Atemprozess nach einigen Sitzungen neue Sichtweisen hervorruft, wird es nötig sein, eine rein verbale Therapiesitzung (Voice Dialoge, Gestalt, Hakomi) einzuschieben.

Ich orientiere mich in meiner Tätigkeit methodisch an Leonard Orr.

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