Michico Friedrich
 

Was bedeutet Ego im indianischen Verständnis?

Das Ego ist ein mentales Selbstbild, ein im Geist existierendes Konzept des Selbst. Es ist ein falsches Bild, weil das Selbst- das wahre Selbst- nicht im mentalen, sondern im spirituellen Geist existiert.

Das Ego selbst ist komplex. Es besteht aus drei Aspekten, die wir als „Schichten“ bezeichnen können.

Die äußere Schicht befasst sich damit, die Bedürfnisse des Körpers zu befriedigen und die Sinne zu erfreuen, obwohl das Ego selbst nie zufrieden ist, weil es immer mehr will von dem, was es will, und immer weniger was es braucht.

Die zweite Schicht befasst sich mit dem geistigen Appetit und damit, das Gefühl der eigenen Bedeutung und Getrenntheit zu nähren. Sie fällt Urteile, die die eigene Eitelkeit und Vergleiche mit anderen fördern.

Die dritte Schicht befasst sich mit der Selbstrechtfertigung. So mächtig ist das Ego, dass es uns glauben macht, es allein mache uns aus, es allein sei das wahre Selbst und nicht das trügerische, vergängliche und begrenzte Selbst, das es tatsächlich ist.

Das Ego befasst sich hauptsächlich mit Dingen, die es für genussbringend hält und mit der Vermeidung von Schmerz. Es möchte an dem festhalten, zu dem es sich zugehörig fühlt und das es sich geschaffen hat, zum Beispiel mein Auto, mein Kind, mein Partner. Es veranlasst uns zu Vergleichen mit anderen und zu Urteilen über andere, weil deren Handlungen und Meinungen uns beeinflussen.

Wir verhalten uns gemäß Erwartungen, die uns übergestülpt werden. Dadurch wird der Druck auf uns verstärkt, mit den anderen mitzuhalten, die Ängste intensivieren sich und so sind wir im Kreislauf unerfüllter Sehnsüchte eingeschlossen und gefangen. Wir versuchen diesen Anforderungen gerecht zu werden und nähren somit unser Ego immer mehr und mehr. Innere Harmonie und Freude wird anhaltend gestört und so werden wir immer unglücklicher und fühlen uns dem so genannten permanenten Dauerstress ausgesetzt und ausgeliefert. Hier sind selbstverständlich nicht wir verantwortlich, sondern die „schnelle Welt und ihre Anforderungen“.

Wir sind eingeschlossen in Verhaltensmuster, aus denen es kein Entrinnen zu geben scheint, und in der Konditionierung unserer eigenen Gedanken und Überzeugungen. Jegliche Konditionierung entsteht durch von Angst angeregte Überzeugungen. Nicht durch reale Angst ums physische Überleben, sondern durch eingebildete Angst, welche dadurch auch noch unsere Lebenskraft und Gesundheit schwächt.

Pfeil rechtsDie Grenzen des Ego